Input - Mentale Selbstfürsorge
Du lernst, wie du im Alltag deine mentale Gesundheit pflegen kannst und wieso das für uns als Firma wichtig ist.
Motivation
- Fürsorgepflicht des Arbeitgebers: Wir als Firma müssen die Gesundheit unserer Mitarbeiter schützen.
- Gesundheitsrisiken der Mitarbeiter: Neben physiologischen Büroproblemen (Nacken, Augen, Hände/Unterarme, Bewegungsmangel) bergen psychische "Fehlbelastungen" vergleichsweise grosse Risiken.
- Selbstverantwortung: Remote keine gegenseitige "Kontrolle", Kompetenz zur Selbstfürsorge wird vorausgesetzt / muss gestärkt werden.
Persönlich
- Modelle der psychologischen Allgemeinbildung sind veraltet (Freud: Es, Ich, Über-Ich); haben keinen erkennbaren Bezug zur eigenen Gesundheit.
- Moderne Zugänge / Arbeitsmodelle ermöglichen zielgerichtete Lösungsfindung / Problemanalyse - "Eine Ahnung haben, wie im Falle einer Diagnose vorgegangen wird"
Abgrenzung
"Losbasteln" anhand dieses Inputs ersetzt keine therapeutische Expertise. Insbesondere bei Symptomen von Burnout (Chronische Müdigkeit, Schlafstörungen trotz Erschöpfung, körperliche Beschwerden ohne klare Ursache, Konzentrationsprobleme, emotionale Taubheit, Zynismus gegenüber der Arbeit, sozialer Rückzug, Reizbarkeit und kurze Zündschnur, Leistungsabfall trotz mehr Einsatz, Vernachlässigung eigener Bedürfnisse, Gefühl von Sinnlosigkeit, Panikattacken und Überforderungsgefühl) ist fachkundige Hilfe nötig.
Keines der folgenden Themen ist wissenschaftlich sauber und komplett. Dieser Input soll lediglich als Einstieg dienen.
Konzepte
Bedürfnisse
Erläutern, bei körperlichen anfangen, auf psychische etwas vertiefter eingehen
Körperliche Grundbedürfnisse
Luft, Nahrung, Wasser, Bewegung, Schlaf, Wärme (Kleidung)
→ Empfehlungen: ausgewogene Ernährung, viel Bewegung, zurückhaltend Rauschmittel/Industrienahrungsmittel, Unfallprävention, etc.
Psychische Grundbedürfnisse
Ausgehend von einem schwierig zu artikulierenden Unwohlsein kann diese Auflistung beim Eingrenzen helfen. In der Folge können "Gegenmassnahmen" etwas gezielter abgeleitet werden.
- Bindung / Sicherheit
- Ich bin da. Du kannst dich auf mich verlassen.
- Autonomie / Selbstwirksamkeit
- Ich lasse dich deine Erfahrungen sammeln.
- Grenzen / Selbstkontrolle
- Ich teile dir mit, was mir wichtig ist / was ich nicht möchte.
- Wertschätzung, Bestätigung / Selbstachtung
- Du erfährst von mir, weswegen ich dich schätze.
- Spontaneität, Lust, Spiel, Spass
- Ich kann dich immer wieder überraschen
- Freiheit, Bedürfnisse mitzuteilen
- Ich nehme dich und deine Wünsche ernst.
Die Bedürfnisse widersprechen sich teilweise, respektive sind als Gleichgewicht zwischen Extremen zu verstehen. Beispiele:
- Eine Person kann mir nicht gleichzeitig Sicherheit und Autonomie bieten.
- Der Zauber von Spontaneität und Spass besteht im vorübergehenden fehlen von Sicherheit.
Dimensionen des Energiemanagements
Bei der Frage nach Gründen für Erschöpfung, Erholung und Unterforderung können die Dimensionen Orientierung bieten.
- physisch
- mental (Verantwortung, viele Dinge überblicken)
- emotional
- sozial (Austausch mit anderen)
- sensorisch (Sinneswahrnehmungen)
- kreativ
- spirituell (Sinn, Orientierung)

In jeder Dimension kann man über-, unterfordert oder ausgeglichen sein. Von einer Überlast in einer Dimension hilft oft eine gezielte Aktivierung in einer anderen Dimension.
Beispiel: Bei mentaler Belastung kann physische oder sensorische Aktivität erholend wirken (Sport oder ein Spaziergang im Wald).
Remote-Arbeit bedeutet grundsätzlich viel mentale Herausforderung bei wenig sozialer, emotionaler und sensorischer Aktivität.
Coping-Strategien
Überkompensation (fight) Ausweichen (flight) Überanpassung (freeze)
Wie gehen wir mit schwierigen / unbequemen Situationen um?
→ Kategorisierung lässt sich grundsätzlich immer anwenden:
- bewusst geplant / als unbewusste Reaktion
- gesund, hilfreich / destruktiv
- Selbstbeurteilung, Verstehen des Gegenübers, Verstehen der Verhaltens einer Gruppe
Überlege-Aufgabe
Versetze dich in die beschriebene Situation und beurteile anhand der Fragen deine Reaktion.
Eine dir wichtige Person (Chef, Kunde, Familienmitglied) setzt dich unter Druck / fordert etwas ein, das dir nicht leicht fällt oder gar nicht möglich ist.
- Welche der obigen Strategien wendest du vermutlich an?
- Welche Strategie hältst du für angebracht?
- Kannst du die Strategie bewusst wählen oder macht es mit dir?
In deiner Wohngemeinschaft wird ein Dauerbrenner (Bildschirmzeit des Kindes, unterschiedliche Sauberkeitsansprüche, Aufgabenverteilung) angesprochen
- Führt das zu einem emotionalen Streit zwischen dir und deinem Gegenüber?
- Welche Strategie ist deinerseits dafür verantwortlich?
- Welches Coping-Verhalten deines Gegenübers bringt dich in Rage?
Innere Balance

Innere Eltern (kritisch / fürsorglich) Inneres Erwachsenes (Aushandelnd) Inneres Kind (Zugang zu Gefühlen; trotzend-fight / ausweichend-flight / überangepasst-freeze)
Kompetenzaufbau / Training
Selbstbeobachtung / Zugang finden → Selbstkompetenz Mehr von dem, was gut tut → Selbstfürsorge
Ehrlich zu sich selber sein
Bei Bedarf: Schwierigkeiten feststellen, anerkennen, Lösungen finden
Information / Hilfe beiziehen → vgl. Cyberangriff: Wenn das Problem meine Kompetenzen übersteigt, sind Verstecken und Vertuschen toxische Strategien.
Gespräche helfen, den inneren Kompass zu stellen.
Verweise / Quellen
Zum grossen Teil zusammengesammelt aus diversen Folgen Beziehungskosmos und Gesprächen mit Stefan Rüsch.
Die fotografierten Kärtchen wurden mit METACOM erstellt (METACOM Symbole © Annette Kitzinger)